Geschichte

In Deutschland werden derzeit neben ca. 110.000 TIAs ca. 230.000 ischämische und 35.000 blutige Schlaganfälle pro Jahr behandelt. Damit ist der Schlaganfall die zahlenmäßig mit Abstand bedeutsamste neurologische Erkrankung. Kein anderes Krankheitsbild verursacht häufiger eine dauerhafte Behinderung oder Pflegebedürftigkeit beim erwachsenen Menschen. Wesentlicher Faktor für die Verhinderung schwerer bleibender Schäden in der Akutphase des Schlaganfalls ist der frühste mögliche Beginn einer geeigneten Therapie zur Wiedereröffnung im Falle eines verursachenden  Gefäßverschlusses. Die richtige Anwendung solcher Behandlungen setzt ein hohes Maß an interdisziplinärer neurologischer und neuroradiologischer Kompetenz voraus.

In der Metropolenregion Ruhrgebiet leben ca. 5,2 Mio. Menschen auf einer Fläche von 4500 km2. Die stationäre Patientenversorgung wird von ca. 130 Krankenhäusern gewährleistet. Hierauf verteilten sich im Jahr 2012 27 neurologische bettenführende Fachabteilungen. Um einerseits allen Einwohnern der Region eine optimale Schlaganfallbehandlung zugänglich zu machen, andererseits aber auch lokale Zuständigkeiten in Gegenden mit hoher Versorgungsdichte festzulegen, ist eine effektive Kooperation unter den Kliniken unerlässlich. Dabei profitieren alle Beteiligten natürlich zusätzlich vom Austausch der gesammelten Erfahrungen in der Versorgung und Behandlung unserer Patienten.

Vom Arbeitskreis zur Netzwerkbildung

Die Geschichte des „Neurovaskulären Netz Ruhr“ geht bis in das Jahr 2007 zurück. Auf Betreiben des damals im Kruppkrankenhaus Essen tätigen Oberarztes der Neurologischen Stroke Unit, Dr. U. Sorgenfrei, und von Dr. D. Bartig gründete sich der Arbeitskreis „Nordwestdeutscher Stroke Zirkel“ bestehend aus interessierten Oberärzten aus der Region, die für die jeweilige Stroke Unit ihrer Klinik verantwortlich waren. Ziel war es ein Netzwerk zu gründen und anhand von regelmäßigen informellen Treffen Probleme aus der alltäglichen Praxis kollegial und abseits von frontal geführten Fortbildungsveranstaltungen und Kongressen in vertrauter Atmosphäre zu diskutieren (Verständnis für die korrekte Leistungskodierung, Abstimmung von SOPs, u.v.m.). Mit Unterstützung von Boehringer Ingelheim wurden ab 2008 halbjährlich stattfindende Treffen durchgeführt, bei denen reale Fälle aus dem klinischen Alltag und eigene Erfahrungen bzgl. der Umsetzung von Erkenntnissen aktueller Studien diskutiert wurden. In der Folge hielten zudem Referenten Impulsvorträgen zu relevanten Themen.

Vereinsgründung NWDSZ e.V.

Es zeichnete sich bald ab, dass das Thema der aufkommenden Technik der mechanischen Rekanalisation beim ischämischen Schlaganfall immer wieder in den Fokus der Diskussion geriet. Gleichzeitig wünschten sich die Teilnehmer die Gründung eines von der Pharmaindustrie unabhängigen Forums. Als Folge wurde am 10.12.2010 der Verein „Arbeitsgemeinschaft Nordwestdeutscher Stroke Zirkel e.V.“ gegründet und in das Vereinsregister Bochum eingetragen. Gründungsmitglieder waren: Dr. D. Bartig (Osnabrück), E. Dickmann (Castrop-Rauxel), PD Dr. J. Eyding (Bochum), Dr. M. Kitzrow (Bochum), Dr. K. Kohlhaas (Wuppertal), Prof. Dr. med. C. Krogias (Bochum), G. Rudel (Dortmund), Dr. H. Ruf (Hagen) und Dr. U. Sorgenfrei (Essen). Die Vereinssatzung fasst die Ziele in §2 (Zweck und Aufgaben des Vereins) wie folgt zusammen: „Zweck des Vereins ist die Förderung und Verbesserung der Schlaganfallversorgung, die Durchführung von Fortbildungs- und Informations-Veranstaltungen, die Erstellung von Informationsportalen für Mitglieder“. Als Gründungsvorstand wurden gewählt: Dr. U. Sorgenfrei (Vorsitzender), PD Dr. J. Eyding (Stellvertreter), Dr. D. Bartig (Schatzmeister). Die o.g. Ziele wurden in der Folge schwerpunktmäßig durch die gemeinsame Initiierung und Etablierung des „Neurovaskulären Netz Ruhr“ zur Optimierung einer flächendeckenden neurovaskulären Maximalversorgung akuter Schlaganfallpatienten verfolgt. Der aktuelle Vorstand setzt sich wie folgt zusammen: Prof. Dr. J. Eyding (Dortmund), G. Reimann (Dortmund), Dr. H. Ruf (Hagen), Dr. M. Kitzrow (Wuppertal), PD Dr. R. Weber (Essen).

Entstehung des Neurovaskulären Netz Ruhr – NVNR e.V.

Gemeinschaftliche Interessen im Hinblick auf eine Optimierung der Versorgungsqualität von Schlaganfallpatienten in der Region führten frühzeitig zu einer engen Kooperation mit der sich ebenfalls regelmäßig treffenden Runde der Chefärzte der Neurologischen Kliniken. So wurde 2010 das erste gemeinsame Netzwerk „Die Neurologischen Kliniken, Netzwerk Ruhrgebiet gegen den Schlaganfall“ u. a. zur Durchführung gemeinsamer Kampagnen und Veranstaltungen sowie zur Etablierung eines einheitlichen überregionalen Internetauftrittes ins Leben gerufen. Hieraus ergab sich in der Folge ebenso die Gründung des „Neurovaskulären Netz Ruhr – NVNR“ gemeinsam mit dem Kreis der Chefärzte der Neurologischen Kliniken des Ruhrgebietes und der Arbeitsgruppe der Neuroradiologen im Ruhrgebiet.

Als treibende Kraft betätigte sich der Verein NWDSZ e.V. aktiv an der Gestaltung und Weiterentwicklung des NVNR. Mehrere Mitglieder waren Teil des Steuerungskreises, der im Auftrag die Arbeit koordinierte und dem zusätzlich Vertreter der Chefärzterunde und des Neuroradiologischen Arbeitskreises und des Neurochirurgischen Arbeitskreises angehörten.